Prüfschrank 29 aus dem Jahr 1934

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FERNSPRECHKLASSIK

H O M E

 Thema der Seite:

"Überholung und Aufarbeitung eines Wandapparates W28 m. T."

Weitere Seiten zum Thema:

W28

I. W48

- Infos zum W48

- Grundplatte aufarbeiten (W48)

- Aufarbeitung W48, 1951, m. T.

- W48 von 1995

- Kurzportrait W49 (TiWa)

II. Nummernschalter

a. Nummernschalter 24 + 30

(Einstell-/Schmiervorschriften)

b. Nummernschalter 38

- Zerlegung | Zusammenbau
- Probleme | Fehler
- Impuls- oder Tonwahl?

Besonderheit:

- "Merk-Schalter"

III.Tischapparat OB05

- Infoseite zum OB 05
- Bauschaltplan OB05

IV. W28

V. Reparaturservice|Verkäufe

VI. Teileangebote

VII. PDF - Download:

a. Zum Thema N30

Montage Nummerschalter 30

Einstell u. Schmiervorschriften
für N30 (S&H)

Einstell- u. Schmiervorschriften
für N30 (Fa. Bosse)

b. Zum Thema N38

Montage Nummernschalter 38

Details Fliehkraftregler (Abb. als PDF)

Nummernschalter-Probleme (PDF)

c. Zum Thema

"Schalt-|Stromlaufpläne"für:

- Tischapparat ZB04

S. & H. | Zw. & Co |

PDF - 3 Seiten

- Tischapparat ZB06

PDF - 3 Seiten

- ZB SA 19 | PDF - 5 Seiten

- ZB SA 24 | PDF - 2 Seiten

d. Thema Bakelitpflege

- Reinigen und Konservieren

- MPAD-Zeichen

 

Diesen Apparat erhielt ich, um ihn wieder in einen alltagstauglichen, guten Zustand zu versetzen. Insgesamt war der Fernsprecher sowohl innen als auch außen sehr in Mitleidenschaft gezogen.

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Alle Metallteile waren stark angerostet, die Lackierung war mehr als unansehnlich, wie auf den Fotos unschwer zu erkennen ist.

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Des Weiteren war die Erdtaste fest gerostet.

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Der Nummernschalter verursachte Falschwahlen. Hier war die obere NSI-Kontaktfeder verbogen. Nachdem dieser Mangel behoben war, lief der Schalter wieder gut ab, wenn auch mit falscher Einstellung von Impulsfrequenz und -verhältnis.

w28WA_gehaeuse_aussen1.jpg (402596 Byte)

Foto zeigt den Wandfernsprecher (W28 m.T.) in unrestauriertem Zustand

Insgesamt jedoch befand sich der W28 in komplettem und grundsätzlich auch funktionsfähigem Zustand.

Die weitere Prüfung ergab,
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dass bei ankommendem Ruf der Apparat klingelte.

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Die eingebaute Sprechkapsel war defekt. Mit einer anderen Kapsel war die Verständigung dann problemlos möglich;

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ebenso wie der Ruf zum Teilnehmer, nachdem vorübergehend erst einmal ein anderer, korrekt eingestellter Nummernschalter N30 eingebaut war.

Merkmale dieses Wandfernsprechers W28:

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Nummernschalter (N30) aus dem Jahr 1936, Bauart: R. Bosse & Co.

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Kondensator getauscht, Aufdruck 1957

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Aufdruck auf Grundplattenrückseite: 07/1937

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Weckerspulen + Induktionsspule tragen kaum noch erkennbar das Zeichen der Siemens AG (Siemens&Halske)

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Die Verdrahtung war nicht durch Basteleien verändert worden und sie war unbeschädigt

-> Einstellen des Nummernschalters:

Da der Nummernschalter wie bereits erwähnt noch problemlos ablief, erwartete ich keine Schwierigkeiten. Diese Annahme stellte sich aber bald als Trugschluss heraus. Bei den Tests am kleinen Prüfschrank 50 zeigte dieser Schalter nach dem Zusammenbau der gereinigten Einzelteile und einer möglichst genauen Voreinstellung bereits völlig korrekte Werte: Impuls- und Frequenzverhältnis stimmten. Somit sollte der N30 eigentlich funktionieren. Aber den Gefallen tat er mir nicht. Nach Ablauf jeder Ziffer, egal welcher, war sofort das Besetztzeichen zu hören. Daraufhin stellte ich die Frequenz auf 11 Hertz. Es gab keine Verbesserung. Eher hilflos als planvoll führte ich eine zusätzliche Prüfung mit einem kleinen Prüfschrank 29 durch. Diese Prüfung ist einfach aber sehr grob und kann vielleicht als Ergänzung dienen. Dabei läuft das (vierstellige) Zählwerk im Schrank um die Anzahl der Impulse weiter, abhängig von der jeweils gewählten Ziffer. Jedoch zeigte sich, dann schnell, dass dessen eingebautes Zählwerk die Impulsanzahl der jeweils gewählten Ziffer gar nicht anzeigte. Die Relais im Schrank reagierten nicht, und gaben die Impulse nicht weiter, die vom NSI-Kontakt des N30 Schalters erzeugt wurden. Auf dem Foto ist zu sehen, dass der obere Kontakt stark verbogen war. Selbst mit vorschriftsmäßiger Einstellung der Kontaktöffnungen sowie der Öffnungs- und Schließzeiten auch des Arbeitskontakts gab es nicht die geringste Veränderung. Erst als ich den oberen NSI-Kontakt durch Unachtsamkeit verbog, dass er "schräg" mit dem unteren Kontakt schloss, also gänzlich unvorschriftsmäßig, sprach im kleinen Prüfschrank das Relais an, und das Zählwerk gab von Stund an die Impulszahl korrekt wieder. Zwei Ursachen könnte es nach meiner Einschätzung dafür geben. Unter einer starken Lupe sehen die Pimpel der beiden Kontaktfedern sehr abgenutzt und verschlissen aus. Möglicherweise sind sie so stark beschädigt, dass sie beim Schließen keinen ordnungsgemäßen Impuls mehr auslösen konnten. Die zweite Möglichkeit, die jedoch nun nicht mehr von Bedeutung war, besteht in der "Gewichtsfrage". Danach sollten die Stromstoßfedern in einem bestimmten Gewicht zueinander liegen. Nach Einstellvorschrift für diesen Schalter sind das 12...15 g. Diese Messung mit Hilfe einer Federwaage (s. Abbildung Nr. ??) nehme ich zwar in seltenen Fällen vor, stelle jedoch fest, dass viele der vorschriftsmäßigen Einstellungen auf die korrekten Werte schließlich doch nicht zum Funktionieren eines Schalters führen. Siehe das Beispiel in diesem konkreten Fall.

Auch habe ich N30 Schalter erst "zum Laufen" gebracht, als diese eigentlich viel "zu schnell abliefen". Probeweise wurde ein  Schalter auf 15 Hertz eingestellt, das Impulsverhältnis war im Toleranzbereich und betrug 1,7:1. Damit gab es kein Wählprobleme mehr. Hingegen mit der Normeinstellung von 10 - 10,5  Hertz wurde eine Falschwahl nach der anderen produziert.

Natürlich kann man nicht eine Komponente oder einen Wert in dieser Art betonen, ohne nicht gleichzeitig auch unseriös zu argumentieren. Aber im modernen Telekommunikationsnetz gelten die bereits historischen Einstellvorschriften für Nummernschalter zum Teil wohl nur bedingt und mit gewissen Einschränkungen, immer in Abhängigkeit von den technischen Bedingungen der jeweiligen Telefonanlage und deren Komponenten.

 
 
Portrait W28